Einführung

Was ist Familienforschung?

Die Familienforschung (= Genealogie) beschäftigt sich mit der Erforschung der Abstammung von Personen und Familien. Man unterscheidet bei der Familienforschung grundsätzlich zwei Bereiche.

Ahnenforschung: Von einer bestimmten Person als Probanden ausgehend, erforscht man die Abstammung in aufsteigender Linie und damit die Vorfahren bzw. Ahnen dieser Person (daher auch die volkstümliche Bezeichnung Ahnenforschung).

Nachkommenforschung: Desgleichen ist es möglich, die Nachkommen einer historischen Person, deren Lebensdaten bekannt sind, zu erforschen; in diesem Fall spricht man von Nachkommenforschung.

Bei der Ahnenforschung ist es möglich alle Vorfahren zu ermitteln, wobei die Zahl der Vorfahren je Generation natürlich stark ansteigt. Ausgehend vom Probanden folgen darauf 2 Eltern, 4 Großeltern usw. (1 / 2 / 4 / 8 / 16 / 32 / 64 / 128 / 256 / 512 / 1024 / 2048 / 4096 ...).

Ahnentafel

Eine weitere Möglichkeit ist die Erforschung der Namenslinie. Hier werden jeweils nur von jenen Vorfahren die Daten ermittelt die den gleichen Familiennamen wie der Proband tragen.

Arbeitsschritte und Quellen

1) Forschung im familiären Umkreis

Zuerst sollte versucht werden im persönlichen Umfeld Dokumente zu finden, die Daten von Vorfahren und Verwandten enthalten. Darunter fallen Taufscheine, Trauscheine, Totenscheine, aber auch andere Dokumente können von Interesse für die Familienforschung sein (Fotos, persönliche Aufzeichnungen, Dokumente über Grundbesitz ...). Ergänzt durch Erzählungen von noch lebenden Verwandten lässt sich dann meist schon ein respektabler Stammbaum erstellen.

2) Forschungen in den Matrikenbüchern

Die wertvollste Quelle für die Familienforschung stellen die Kirchenbücher (auch Matriken, in Deutschland Matrikel genannt) dar, in denen die kirchlichen Handlungen der Taufe, Trauung und des Begräbnisses festgehalten wurden. Die Anlegung der Tauf- und Heiratsbücher geht auf Bestimmungen des Konzils von Trient (1545-1563), die der Sterbebücher auf das "Rituale Romanum" von 1614 zurück. Doch nur in den wenigsten Fällen sind uns Aufzeichnungen aus dem 16. Jahrhundert erhalten: neben der anfangs noch inkonsequenten Dokumentation durch die jeweiligen Pfarrer sind kriegerische Ereignisse und Brände für eine lückenhafte Überlieferung verantwortlich zu zeichnen. Flächendeckend setzt sich die Führung von Matriken in Österreich also erst mit dem beginnenden 17. Jahrhundert durch.

Die Eintragungen in den Kirchenbüchern sind unterschiedlich gestaltet, da es - vor allem für die Anfangszeit - keine dementsprechenden Richtlinien gab;  daher waren knappe und sparsame Ausführungen zunächst vorherrschend. Anzumerken ist auch, dass in den ersten beiden Jahrhunderten der Matrikenführung (fast) nur die Tauf- und Begräbnisdaten, nicht aber die Geburts- und Todesdaten aufgezeichnet wurden; dies geschah erst in der josephinischen Zeit (ab den 70/80er Jahren des 18. Jahrhunderts). Damals erhielten die Kirchenbücher auch eine neue Form, indem die verschiedenen Informationen in Rubriken geteilt wurden. Interessant auch für Hausgeschichtsforscher ist die Tatsache, dass Kaiserin Maria Theresia um 1770 die Einführung von Hausnummern veranlasste, die ab diesem Zeitpunkt in den Matriken zu finden sind. Erwähnenswert ist noch der Umstand, dass die Bücher in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts teilweise getrennt nach Ortschaften bzw. Rotten geführt wurden.

Idealerweise enthalten die Taufbücher Angaben zur Geburt und/oder der Taufe der jeweiligen Person sowie dessen Eltern und Paten (Namen, Wohnort, Beruf). Trauungsbücher berichten über die Ehepartner (Wohnort, Beruf, Alter), deren Eltern und Trauzeugen und die Eheschließung selbst, Sterbebücher hingegen über den Verstorbenen (Todesursache, Alter, Wohnort, Begräbnisort). In den meisten Fällen wird auch der jeweils handelnde Priester genannt.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts werden in den Taufbüchern regelmäßig Anmerkungen zu einer anderswo erfolgten Hochzeit bzw. dem Tod einer Person angebracht; davor findet man dort keine Hinweise auf den späteren Lebensweg.

Matrikenauszug

Neben den Matriken gibt es noch andere kirchliche Quellen im Diözesanarchiv St. Pölten, die für Familienforscher von Bedeutung sein können:

Trauungsrapulare

Eheverkündbücher

Eheakten

Firmungsbücher

Kommunikantenverzeichnisse

Beichtregister

Seelenbeschreibungen

Kirchenstuhlregister

Stiftungs- und Bruderschaftsverzeichnisse

Zehentregister

Da - wie schon oben erwähnt - diese Materialien, insbesondere die Matrikenbücher, im günstigsten Fall ab dem beginnenden 17. Jahrhundert vorhanden sind, muss der Familienforscher für die Zeit davor andere Quellen, vor allem grundherrschaftliche Aufzeichnungen, heranziehen.

3) Wo befinden sich die Matrikenbücher?

Matrikenbücher werden in den einzelnen Pfarren geführt. Zur sicheren Aufbewahrung werden viele Matriken heute im Diözesanarchiv St. Pölten aufbewahrt. Alle Matrikenbücher der Diözese St. Pölten sind auf der Internetseite www.matricula-online.eu einsehbar. Hier haben sie unabhängig von Öffnungszeiten und räumlicher Distanz die Möglichkeit ihre Ahnen zu erforschen. Die Benützung ist kostenlos.

4) Hilfsmittel und Voraussetzungen

Hilfreich bei der Auffindung bestimmter Personen in den Pfarrmatriken sind alphabetische Namensregister (Indices). Diese wurden jedoch erst ab dem 19. Jahrhundert kontinuierlich den jeweiligen Matriken beigefügt, teilweise sind von fleißigen Hobbyforschern auch für ältere Bestände solche Register angelegt worden. Sie sind in der Regel nach den Familiennamen - bei Trauungen nach dem des Bräutigams - gegliedert und verweisen auf die jeweilige Seite (pagina) oder das jeweilige Blatt (folio) des Matrikenbuches, auf dem/der mit einer entsprechenden Eintragung zu rechnen ist.

Die Forschung an älteren Quellen wie den Kirchenbüchern erfordert die Fähigkeit des Lesens alter Schriften. Lateinische Texte, die vor allem zu Beginn der Matrikenführung üblich waren, aber auch die deutsche Kurrentschrift sowie unterschiedliche Abkürzungen, altertümliche Ausdrücke usw. dürften anfangs abschreckend wirken. Nach längerer Beschäftigung mit derartigen Archivmaterialien wird aber deutlich, dass der Aufbau der Einträge immer ähnlich ist und dass die Entzifferung von vorher vermeintlich Unlesbarem bald kein Problem mehr darstellt.

Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang die unterschiedliche Schreibweise von Namen, sei es Vor-, Familien- oder Ortsnamen. Diese wurden nämlich in vielen Fällen nach dem Gehör geschrieben; dies ist auch bei der Benutzung der Register zu beachten.